Tierärztliche Praxis  für Kleintiere         

                               Birgit Kalvelage

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          Zecken              
 

 

 

 

 Zecken - Info       

 

Die Zecke

 

Zecken sind Spinnentiere, die sich an alle Klimazonen und Umweltverhältnisse angepasst haben. Bestimmte Arten finden sich in Wäldern und deren Randgebieten. Sie lieben Feuchtigkeit und Wärme und überwintern in der Laubschicht des Waldbodens. Andere bevorzugen Trockenheit und Hitze. Diese kommen vor allem in den Mittelmeerländern vor, werden eingeschleppt und überleben in beheizten Räumen. Zecken schaden durch Blutsaugen und durch Verbreitung von Krankheitserregern (z.B. Lyme Borreliose).

 

Die Zeckenplage hängt von der Jahreszeit ab

Die Entwicklung der Zecken hängt von zahlreichen Faktoren ab. Temperatur und Feuchtigkeit beeinflussen den Schlupf aus dem Ei, das Überleben der frei beweglichen Zeckenstadien und auch die Wirtsfindung. Dieses erklärt die Zeckeninvasion im Frühjahr und im Herbst.

  

Lebenszyklus der Zecke

Der Lebenszyklus des aus dem Ei geschlüpften Holzbocks umfasst drei Entwicklungsstadien:

Larve, Nymphe und adulter, das heißt erwachsener Parasit. Zwischen jedem Stadium liegt eine Häutung, davor und vor der Eiablage des erwachsenen Zeckenweibchens ist jeweils eine Blutmahlzeit notwendig. Diese holt sich die Larve bei Mäusen und Vögeln, während Nymphen und adulte Zecken größere Säugetiere ( Wild, Hunde, Katzen) und den Menschen bevorzugen. Nach jedem Blutsaugen, das zwischen  4 und 7 Tagen dauert, fällt der Parasit ab und entwickelt sich auf dem Erdboden weiter.

So findet die Zecke ihren Wirt:

Sie lauert auf einem Grashalm verharrend auf ihr Opfer, das durch Erschütterung, Wärme und Geruch erkannt wird. Hierbei hilft ein besonderes Sinnesorgan am vordersten Beinpaar der Zecke, das Haller´sche Organ. Blitzschnell klammert sich die abgestreifte Zecke am Wirt fest.

Einbohren,  Verankern und Blutsaugen

Auf dem Wirt sucht die Zecke nach einer dünnhäutigen Einstichstelle, im Allgemeinen an Kopf oder Ohren. Dort schneiden zunächst die messerscharfen Mundwerkzeuge des Parasiten in die Haut. In diese Wunde  wird dann das mit Widerhaken versehene Saugrohr eingebohrt und mit einer zementartigen Substanz verankert. Nun injiziert die Zecke ihren Speichel in die Wunde, der das Gewebe auflöst und die Blutgerinnung hemmt. Die Mahlzeit kann beginnen....  Sie besteht aus zwei Abschnitten: einer langsamen, vorbereitenden, und einer raschen, aufnehmenden Saugphase.

 

Übertragung von Krankheitserregern 

Die Übertragung von Krankheitserregern, z.B. Bakterien der Lyme Borreliose, beginnt nicht sofort nach dem Festsetzen der Zecke. Vielmehr nimmt das Risiko mit der Saugdauer zu und erreicht ein Maximum bei der schnellen Saugphase, die nach ca. 48 Stunden einsetzt. Findet man also eine prall vollgesogene Zecke ( am Ende ihrer Blutmahlzeit), ist das Infektionsrisiko am größten.

Die Häufigkeit der Zecken ist zwar im Herbst geringer als im Frühjahr, aber dafür ist der Anteil der mit gefährlichen Erregern infizierten Zecken im Herbst besonders hoch. Die von den Zecken  während ihrer Blutmahlzeit  übertragenen Erreger verursachen im Spätsommer und Herbst die gleichen schweren Krankheiten beim Hund wie im Frühjahr. Unbehandelt verlaufen diese akut, oft tödlich oder verursachen chronische Gelenkserkrankungen. Beispiele hierfür sind die Babesiose, die auch als Hundemalaria bezeichnet wird, die Hunde-Anaplasmose sowie die Borreliose und FSME. Während die Hunde-Anaplasmose als gefährliche Hundekrankheit erst seit kurzem bekannt ist, galt die Babesiose bis vor wenigen Jahren noch ausschließlich als Gefahr bei Reisen in südliche Länder. Das hat sich geändert. Die mit den Erregern infizierten Zecken sind mittlerweile in ganz Deutschland verbreitet, so dass man sie als heimisch bezeichnen kann. Deshalb ist es wichtig, den Hund nicht nur im Frühjahr, sonder auch im Spätsommer und Herbst vor den Blut saugenden Parasiten zu schützen.

 

Babesiose – die Hundemalaria

Die Babesiose, eine Malaria ähnliche Infektionskrankheit, wird in Deutschland durch die Auwaldzecke ( Dermacentor reticulatus ) übertragen. Der Erreger dieser Krankheit ist ein Parasit ( Babesia canis ), der die roten Blutkörperchen des Hunds zerstört. Anämie und Gelbsucht sind die Folge. Unbehandelt kann der Hund nach wenigen Tagen sterben. Die Babesiose hat sich in den letzten Jahren über weite Teile Deutschlands ausgebreitet und beschränkt sich nicht mehr nur auf das Oberrheingebiet, sondern ist beispielsweise i m Saarland, in den Isarauen bei München und in der Umgebung von Regensburg heimisch geworden. Auch in und um Berlin wurden mit Babesien infizierte Auwaldzecken gefunden. Erste Hunde erkrankten dort bereits an dieser gefährlichen Krankheit. Weitere Infektionsherde werden zunehmend in ganz Deutschland registriert.

Die Ausbreitung der Babesiose erfolgt sehr rasch, weil die Erreger auch an die nächste Zeckengeneration weitergegeben werden. Wenn z.B. eine infizierte erwachsene weibliche Zecke 2000 bis 3000 Eier legt, dann sind auch alle Eier mit Babesien infiziert. Gleiches gilt für die sich daraus entwickelnden Larven, Nymphen  und erwachsenen Zecken. Im ungünstigsten Fall könnten durch eine einzige infizierte Zecke also 2000 bis 3000 mit Babesien infizierte Zecken entstehen.

 

Hunde-Anaplasmose – schwere Hundekrankheit

Die Hunde-Anaplasmose ( granulocytäre Ehrlichiose) wird wie die Borreliose oder die FSME durch den Holzbock, unsere heimische Zecke ( Ixodes ricinus), während der Blutmahlzeit übertragen. Die Erreger dieser Krankheit sind Bakterien, die die weißen Blutkörperchen des Hundes zerstören. Die Symptome der Hunde-Anaplasmose sind unter anderem Fieber, Gewichtsverlust, Schlappheit, Ödeme in den Gliedmaßen, Beeinträchtigungen des Zentralnervensystems und Blutarmut. Zusätzlich können Gelenkentzündungen auftreten. Etwa zwei bis fünf Prozent der heimischen Zecken sind in Deutschland mit diesem Bakterium infiziert, d.h. etwa jede 20. Zecke kann diese Krankheit übertragen. Regional kann die Durchseuchung unserer heimischen Zecken mit diesem Erreger noch höher sein und sogar bis neun Prozent betragen.

 

Borreliose – Infektionsrisiko im Herbst größer als im Frühjahr

Die Borreliose wird ebenfalls durch den Holzbock übertragen. Sie ist die am weitesten verbreitete „Zeckenkrankheit“. Ihre Erreger sind Bakterien ( Borrelien), die in ganz Deutschland vorkommen. Die Wahrscheinlichkeit der Borrelien-Infektion ist im Herbst größer als im Frühjahr. Je nach Region sind bis zu 50 Prozent der Zecken mit zum Teil unterschiedlichen Borrelienarten infiziert. In erster Linie können beim Hund Borrelia burgdorferi, Borrelia afzelii, Borrelia garinii sowie Borrelia lusitaniae und Borrelia valaisiana eine Borreliose auslösen. Sie kann beim Hund Gelenkentzündungen verursachen die ein wechselseitiges Hinken bewirken.

 

FSME – beim Hund nur eine sehr seltene Erkrankung

Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) wird durch den Holzbock sehr schnell übertragen. Ihre Erreger sind Viren. Anders als beim Menschen verursachen diese aber beim Hund nur ganz selten Symptome.

 

Wie kann ich mein Tier schützen:

Moderne Antiparasitika gibt es als Spot-on Lösung. Der Wirkstoff wird an ein bis zwei Stellen auf die Haut des Tieres aufgetragen. Das Spot-on Verfahren bietet den Vorteil der einfachen Anwendung, der Wirkstoff breitet sich in ca. 24 bis 48 Stunden über die Hautoberfläche aus.  Die Wirkstoffe töten über 90% der Zecken in weniger als 48 Stunden, dadurch wird die Infektionsgefahr minimiert. Die Spot-on Präparate wirken durch die Schuppung der Haut bis zu einem Monat gegen Zecken und wirken auch weiter, wenn das Tier mal nass wird. Das Präparat sollte regelmäßig im Abstand von 4 Wochen erneut aufgetragen werden. Zecken, die sich dennoch auf so geschützte Hunde verirren, kommen mit dem Wirkstoff in Kontakt. Durch die offenen Nervenenden an ihren Füßen entsteht der Repellenteffekt. Wie von einer heißen Herdplatte flüchten sie so schnell wie möglich vom Hund. Verbleibt dennoch eine Zecke im Fell des Hundes, so wird sie durch die akarizide Wirkung des Wirkstoffes abgetötet, bevor sie ihre Erreger übertragen kann. Bei insektiziden/akariziden Stoffen ohne abschreckende Wirkung muss sichergestellt sein, das sie die Zecken abtöten, bevor diese ihre Erreger nach dem Stich auf den Hund übertragen haben. Mittel, wie z.B. ätherische Öle mit Lorbeer, Lavendel, Rosmarin und Knoblauchpulver, müssen nach gegenwärtigem Kenntnisstand als unwirksam eingestuft werden und sind für eine Prophylaxe nicht geeignet. 

 

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            Stand: 17. April 2008